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Volleyball im DTV |
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Als der Delmenhorster Turnverein 1856 gegründet wurde, gab
es die Sportart Volleyball noch gar nicht. Die Geburtsstunde des
Volleyballs schlug 1895. Ein amerikanischer Sportlehrer vom YMCA
namens William Morgan erfand damals ein neues Spiel, eine Mischung
aus Tennis und Handball mit einem Netz in der Mitte. Mit heutigem
Volleyball hatte das noch nicht viel zu tun: Das Netz war 1,98 Meter
hoch, die Zahl der Spieler nicht festgelegt. Der Ball durfte beliebig
oft berührt werden, bevor er zum Gegner gespielt wurde, und
bei einem Aufgabefehler war ein zweiter Versuch erlaubt.
In Deutschland wurde Volleyball erst in den Fünfziger und Sechzigerjahren
populär. Auch in Delmenhorst: 1962 gründete Boris Naretz
die Volleyball-Abteilung des DTV, die gleich in den Anfangsjahren
ihre glorreichsten Zeiten erlebte. Einen fest organisierten Spielbetrieb
gab es damals noch nicht, stattdessen wurden die Meisterschaften
in Turnierform ausgetragen. Die DTV-Herrenmannschaft siegte mehrfach
bei den Niedersachsenmeisterschaften und landete bei der "Deutschen
Turnspielmeisterschaft" zweimal unter den ersten acht. Als
dann Ligen und Punktspiele eingeführt wurden, hielten sich
die die DTV-Herren eine Saison lang in der höchsten deutschen
Spielklasse, der Oberliga Nord.
Besonders erfolgreich war 1969 die männliche A-Jugend. Sie
wurde Deutscher Meister und Deutscher Pokalsieger. Auch wenn Volleyballer
damals noch Exoten waren, ist diese Leistung nicht zu unterschätzen.
"Da war schon eine Menge Talent auf einem Haufen versammelt",
sagt Klaus Naretz, heute Geschäftsführer des Niedersächsischen
Volleyball-Verbandes, der zu dem erfolgreichen DTV-Team gehörte.
Auch an Ehrgeiz fehlte es den jungen Männern nicht: Vor dem
entscheidenden Turnier organisierten sie in Eigenregie ein einwöchiges
Trainingslager in Bad Zwischenahn. Selbst zwischen den Trainingseinheiten
vertrieb sich die Truppe die Zeit mit dem Volleyball. Mehrere Spieler
aus der Meistermannschaft spielten später in der Bundesliga,
einer sogar in der Nationalmannschaft.
Obwohl sich die Mannschaft nach dem Abitur schnell in alle Winde
verstreute, blieben die DTV-Herren um Klaus Naretz noch jahrelang
das Aushängeschild der Abteilung. Die 1. Mannschaft spielte
zu dieser Zeit in Landesliga und Niedersachenliga, wobei die Klassen
nicht mit heutigen Ligen zu vergleichen sind: "Die Niedersachsenliga
kam gleich unter der Regionalliga, die damals ganz Norddeutschland
umfasste", berichtet Klaus Naretz. Die Landesliga von früher
lag ebenfalls über dem heutigen Niveau: "Damals gab es
zwei Landesligen, heute acht", sagt Naretz.
Da die Herrenmannschaft eine reisefreudige Truppe war und in der
spielfreien Zeit viele Turniere besuchten, kam irgendwann die Idee
auf, selbst ein größeres Turnier zu organisieren.
Dass es gleich ein Drei-Tages-Turnier wurde, hing, so erinnert sich
zumindest Klaus Naretz, damit zusammen, dass die Herren sich von
dem erwarteten finanziellen Gewinn eine Videokamera zur Spielbeobachtung
anschaffen wollten.
"Die Struktur war schon beim ersten Turnier so, wie sie heute
noch ist", erinnert sich der frühere DTV-Abteilungsleiter.
Schon beim ersten Pfingstturnier 1977 spielten am Samstag die unteren
Spielklassen, der Sonntag war für das Mixedturnier reserviert,
der Montag für die höheren Klassen. Von Anfang an war
das Pfingstturnier eine Großveranstaltung. Das ist es bis
heute geblieben, obwohl Delmenhorst Ende der Achtziger-, Anfang
der Neunzigerjahre durchaus ein unsicheres Pflaster war. "In
einem Jahr wurden in einer Nacht hundert Autos vor dem Stadion aufgebrochen",
erinnert sich Klaus Naretz. In unschöner Erinnerung bleibt
auch eine Party in den Neunzigern, auf der es zu einer Schießerei
kam. Fortan mussten Sicherheitskräfte auf dem Zeltplatz und
bei den Feten für Ordnung sorgen. Diese Tiefpunkte sind glücklicherweise
lange vorbei. Nach jahrelanger Stagnation nimmt die Beteiligung
an dem Turnier, das nach wie vor zu den größten Volleyball-Hallenturnieren
Deutschlands zählt, seit einiger Zeit wieder zu. 2005, zum
27. Pfingstturnier, kamen 377 Mannschaften.
In den Anfangsjahren des Turniers spielten die DTV-Herren noch selbst
in der Leistungsklasse 1 mit, doch seit Mitte der Achtzigerjahre
erlebten sie einen allmählichen Niedergang. Unter der Leitung
von Tom Fischer, der Klaus Naretz als Abteilungsleiter nachfolgte,
arbeiteten sich die Damen parallel nach oben. Diejenigen, die damals
mit dem Volleyballspielen angefangen haben und heute noch aktiv
sind, erinnern sich noch gerne an das aktive soziale Leben in der
Abteilung. Fahrten zu Turnieren, Weihnachtsfeiern und Kohlfahrten
sind längst legendär.
Mit dem Trainer Gunnar Ebert schaffte es die Mannschaft, zu der
unter anderem die heutige 2. Vereinsvorsitzende Kerstin Frohburg
gehörte, Mitte der Neunzigerjahre bis in die Verbandsliga.
Doch Ende der Neunzigerjahre rächte es sich, dass die Jugendarbeit
über Jahre brachgelegen hatte. Die Damen-Verbandsligamannschaft
konnte 1999 den Wegzug mehrerer Spielerinnen nicht verkraften, weil
es an Nachwuchs fehlte. Der DTV gab daraufhin den Verbandsligaplatz
zurück und musste in der Bezirksklasse neu anfangen.
Als Reaktion auf den Nachwuchsmangel betrieb die damalige Abteilungsleiterin
Kerstin Frohburg den Aufbau einer Volleyball-Spielgemeinschaft.
1999 schloss sich der DTV mit dem Vfl Stenum und dem TuS Hasbergen
zur VG Del-Berg-Um zusammen, die bis heute Bestand hat, wenn auch
mit verringerter Beteiligung: Der TuS Hasbergen stieg 2003 wieder
aus.
Im Jahr 2006 ist Volleyball beim DTV kein Hochleistungs-, sondern
ein Breitensport. Die Mannschaften der Spielgemeinschaft VG Del-Berg-Um
bevölkern die Spielklassen von der Kreis- bis zur Landesliga.
Besonders der engagierten Arbeit von Marco Thiel ist es zu verdanken,
dass die Abteilung mittlerweile wieder reichlich Nachwuchs hat.
Nicht wenige Spieler und Spielerinnen der Erwachsenen-Mannschaften
gehen noch zur Schule, außerdem nehmen sieben Jugend-Mannschaften
Spielbetrieb teil.
(Text: Ute Kehse) |
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